Alternative Lösungen für sichere Rettungswege

Ein „Dauerbrenner“ der Brandschutz-Diskussion

Die Rettung von Menschen – insbesondere bei Bränden – ist Aufgabe der Feuerwehr. Dieser kommt sie tagtäglich mit großem Erfolg nach. In vielen Fällen sind ihr lebensrettenden Einsätze jedoch deutlich erschwert: In Berlin betrifft dies ca. 400 000 Wohnungen (geschätzt 1/5) in oberen Geschossen oder Hinterhäusern. Sie verfügen über keine ausreichende zweiten Rettungswege über Rettungsgeräte der Feuerwehr, die baurechtlich erforderlich sind. Daran „schuld“ sind meist die historische Blockbebauung mit Seitenflügeln und Quergebäuden, enge (Wohn-)Straßen, parkende Fahrzeuge oder große Straßenbäume.

Aufstellflächen für die Feuerwehr

Richtschnur für die Herstellung von Flächen für die Feuerwehr ist eine Richtlinie [1], die historisch auf die 50er und 60er Jahre zurückgeht. Damals war die verkehrsgerechte Stadt das Vorbild für den Städtebau. Dieses Modell hat ausgedient. Bewohner heutiger Städte schätzen eher die kompakten und hoch verdichteten Viertel. Der Abriss von Altbauten zur Auflockerung der Stadtkerne ist „out“, die Nachverdichtung durch Baulückenschließung und Dachaufstockungen ist „in“. Moderner Städtebau und „historische“ Aufstellflächen, das passt nicht zusammen. Wollen wir auf dem Weg des Erhalts und der Nachverdichtung der Städte vorankommen müssen hier Lösungen gefunden werden.

Sicherheitstreppenraum

Ansätze dazu gibt es in verschiedenen Bundesländern und Großstädten. Sie bedingen entweder den Einsatz umfangreicher Technik („Modell Hamburg“ mit Druckbelüftungsanlagen) oder einen Wohnflächenverlust bei Neubauten („Modell Berlin“ mit zusätzlichen Schleusen zum Treppenraum). Beides kann bei Neubauten sowohl in der Planung als auch in der Kostenkalkulation rechtzeitig berücksichtigt werden.

Schlechter sieht es bei Altbauten aus. Bestandsmietern kann nicht ein „Stück Wohnung“ für eine zusätzliche Schleuse weggenommen werden. Inzwischen hat der Berliner Senat sein „Modell“ für „Sicherheitstreppenräume“ trotzdem in die VV TB Bln [1] aufgenommen. Alternative Maßnahmen bleiben dadurch außen vor und tausenden Bewohnern Berliner Altbauten werden sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Flucht- und Rettungswege verwehrt.

Lösungen für Bestandsmieter

Statt hemmender Verordnungen sind auch in Berlin intelligente Lösungen gefragt. Sie ermöglichen nicht nur die Schaffung zusätzlicher Dachwohnungen mit ausreichenden Rettungswegen, sondern verbessern zusätzlich die Situation vieler Bewohner in Wohnungen ohne zweiten Rettungsweg.

Treppenräume können z.B. mit einem Differenzdrucksystem (Druckbelüftungsanlage) ausgestatten und damit als Sicherheitstreppenräume für Gebäude unterhalb der Hochhausgrenze ohne Schleuse zugelassen werden. Dieser Sicherheitstreppenraum ist ebenso effektiv, kann aber deutlich besser an Bestandssituationen angepasst werden. Daneben können eine effektive Rauchableitung oder Wasserfeinsprüh–Niederdruckverfahren herangezogen werden.

Fazit

Die Berliner Verordnung zu Sicherheitstreppenräumen hat sich bei Neubauten bewährt. Leider sind dadurch alternative – insbesondere technische – Maßnahmen zur Verbesserung von Treppenräumen oder der Schaffung von Wohnraum in Altbauten ausgeschlossen. Bei verantwortungsbewusster Planung und technisch einwandfreier Umsetzung sind diese Maßnahmen jedoch grundsätzlich als gleichwertig anzusehen.

Reinhard Eberl-Pacan

Vorsitzender des Vorstands

Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

Literatur:

[1] Muster-Richtlinien über Flächen für die Feuerwehr – Fassung Februar 2007 – (zuletzt geändert Oktober 2009)

[2] Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (VV TB Bln) vom 19. April 2018 (ABl. S. 2095) zuletzt geändert 6. Februar 2019 Anhang A „Anforderungen an Sicherheitstreppenräume (SiTrR Bln)“

Kompetenz statt Obrigkeit

Sichere Gebäude durch Zusammenarbeit und Sachverstand

Wir wollen nur bauen! Wir wollen in Dresden keine Juwelen stehlen und in Berlin keine vaterländischen Verdienstorden. Manchmal entsteht jedoch der Eindruck, dass die Schlösser und Ketten, die das Bauen verhindern, schwerer zu knacken sind als jene in Museen oder Galerien. Machtdemonstrationen von Behörden und ein immer dichter geknüpftes Regelwerk verhindern genau das, was sie vermeintlich schaffen sollen – und was am dringendsten benötigt wird: sichere und nachhaltige Gebäude mit intelligentem und ganzheitlichem Brandschutz.

Entbürokratisierung und Verwaltungsverschlankung

Nach beinahe zwei Jahrzehnten Entbürokratisierung und Verwaltungsverschlankung führt der Weg derzeit zurück in den Obrigkeitsstaat, der alles Tun und alles Regen von oben verordnen will. Gleichzeit entspringen der Ängstlichkeit, der Unwissenheit oder dem Kompetenzgerangel bei Bauaufsichtsbehörden oder Feuerwehrdienststellen zunehmend rechtswidrige Entscheidungen, die sich angesichts einer überforderten Verwaltungsgerichtsbarkeit kaum berichtigen lassen. Für Bauherren und Projektentwickler ist das nicht nachvollziehbar. Schnell wird es Architekten oder Fachplanern als Mangel in der Planung oder der Koordination angekreidet.

Einheitliches Verordnungswerk

In über 300 Seiten MVV-TB [1] hat das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) versucht, die Listen von Baubestimmungen und Bauregeln zusammenzufassen und den Ländern ein einheitliches Verordnungswerk an die Hand zu geben. Der Versuch ist kläglich gescheitert. Nicht nur, dass die Einführung dieser Regeln in den Ländern ungeregelt, sukzessive oder noch gar nicht erfolgt ist (Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Schleswig-Holstein), nimmt jedes Land für sich in Anspruch, darin Änderungen vorzunehmen oder Erweiterungen und Anhänge zu generieren, die lokale Besonderheiten plötzlich in den Rang von Verordnungen erheben.

So werkeln sich bundesweit tätige Bauherrn, Architekten, Ingenieure oder Fachplaner durch weitere über 5.000 Seiten Verordnungen und Regeln, eine Aufgabe die jeder mittelmäßig programmierte Algorithmus eines Computers viel besser bewältigen könnte. Zusätzlich müssen sie alle jene Behörden und Prüfämter von ihren Plänen und Ideen überzeugen, die lieber stumpf Gesetzestexte auslegen, als selbständiges verantwortungsvolles Denken und Handeln zuzulassen.

Einheitliche Ausbildung und Zulassung

Die Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständigen für vorbeugenden Brandschutz (BFSB) setzt dagegen seit fast 15 Jahren auf eine fachgerechte und umfassende Ausbildung im vorbeugenden Brandschutz, die unsere Mitglieder als Aufnahmevoraussetzung nachweisen müssen. Diese erworbene Kompetenz im Brandschutz muss von Politik und Behörden gewürdigt werden. Dazu können nur bundeseinheitliche Regelungen in den Bauordnungen beitragen, welche die erforderliche Qualifizierung z.B. der Ersteller von Brandschutznachweisen sicherstellen. Nur durch die Zusammenarbeit und den Sachverstand gut ausgebildeter Architekten und Fachplaner lässt sich das Ziel erreichen, zukunftsfähig, wirtschaftlich und sicher zu bauen.

Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, stellen Sie gerne einen Antrag auf Mitgliedschaft

Auslobung FeuerTrutz Award 2020: Informationen für Mitglieder

Jetzt für die Auszeichnung im vorbeugenden Brandschutz bewerben

Die Auszeichnung FeuerTrutz Award für preiswürdige Brandschutzkonzepte und die beliebtesten Produkte des Jahres geht in die nächste Runde. FeuerTrutz Network verleiht den Award im Vorfeld der FeuerTrutz Fachmesse im Juni 2020.

Kategorie Brandschutzkonzepte

Nicht jedes Brandschutzkonzept steckt voller bahnbrechender Ideen. Häufig sind es eher kleine Details und der kreative Umgang mit Abweichungen oder Kompensationen, die ein Konzept besonders wirtschaftlich oder nutzerfreundlich machen. Beim FeuerTrutz Award für Planer geht es denn auch darum, solche Problemlösungen und stimmige Konzepte auszuzeichnen. Konzeptersteller können sich dafür bis zum 28. Februar 2020 mit einem genehmigungsfähigen Brandschutzkonzept beim Verlag bewerben.

Mehr Infos dazu unter www.feuertrutz.de/award.

Eine Fachjury wählt bis zu drei Gewinner aus den eingereichten Konzepten aus. Sie beurteilt dabei nach folgenden Kriterien:

  • Anspruch der Planungsaufgabe und Alltagstauglichkeit des Konzeptes
  • Schutzzielorientierung und Gefährdungs- bzw. Risikoanalyse
  • Begründung von Abweichungen / Erleichterungen und Kompensationen
  • Nachvollziehbarkeit des Konzeptes und Wirtschaftlichkeit

Die Jury entscheidet auch über die Aufteilung des Preisgeldes in Höhe von insgesamt 5.000,- Euro. Die Preisträger können außerdem das Logo der Auszeichnung für ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verwenden.

Eine projektbezogene Berichterstattung über die Inhalte des Brandschutzkonzeptes, z.B. als Beitrag im FeuerTrutz Magazin, erfolgt nur mit Zustimmung und nach Absprache mit dem Einreicher.

Produkt des Jahres

FeuerTrutz Network prämiert 2020 zum zehnten Mal auch die beliebtesten Produkte in den Kategorien

  • anlagentechnischer Brandschutz,
  • aulicher Brandschutz und
  • organisatorischer Brandschutz.

Bis zum 5. Februar 2020 können Hersteller ihre Produktlösungen einreichen. Teilnahmeberechtigt sind Produkte aus den o.g. Kategorien, die bis zum Einsendeschluss auf dem deutschen Markt eingeführt wurden und in Deutschland erhältlich sind. Eine fachkundige und neutrale Jury prüft die eingereichten Produkte vorab. Das beliebteste Produkt wählen dann Jury und Leser gemeinsam: Die Fachjurymitglieder vergeben Platzierungen und FeuerTrutz Network lädt die Leser parallel zu einer Online-Abstimmung ein.

Alle zur Wahl stehenden Produkte werden in einer Sonderbeilage in Ausgabe 2.2020 des FeuerTrutz Magazins und online vorgestellt.

Die Bewerbungsunterlagen mit Teilnahmebedingungen sowie weitere Informationen und Interviews mit Gewinnern und Jurymitgliedern gibt es online unter www.feuertrutz.de/award.

E-Mail-Kontakt unter: award@feuertrutz.de

Brandschutzvisualisierung für Gebäude

Neue Richtlinie zur Gestaltung von Brandschutzplänen

Ein Brandschutzplan stellt die zeichnerische Umsetzung der Brandschutzanforderungen dar. Brandschutzpläne entwickeln sich vom ersten Entwurf über das Bauantragsverfahren bis zur Übergabe des Gebäudes und in der späteren Nutzung weiter. Die Gestaltung der Pläne ist derzeit noch sehr von Autoren und Vorgaben einzelner Bauherren oder Behörden abhängig. Die neue Richtlinie VDI 3819 Blatt 4 schlägt daher einen Standard vor, der die Gestaltung der Pläne vereinheitlicht und die Lesbarkeit sicherstellt.

Neue Richtlinie VDI 3819 Blatt 4 schlägt Standard vor, der die Gestaltung von Brandschutzplänen vereinheitlicht

Die Richtlinie kann auch zur Erstellung von Brandschutzplänen für Gebäude ohne Brandschutzkonzept angewendet werden. Die Empfehlungen der VDI 3819 Blatt 4 sind unabhängig von der Methode der Planerstellung und können sowohl bei der Handzeichnung, bei EDV-Zeichentools als auch bei der Ausgabe von Zeichnungen aus einem BIM-Werkzeug umgesetzt werden.

Die beschriebenen Anforderungen beziehen sich dabei auf einen fertigen Plan. Hierfür werden Mindestinhalte und -qualitäten in Leistungsphasen beschrieben, Gestaltungsempfehlungen gegeben und Grundlagen für ordnungsgemäße Planung, Errichtung und sicheren Gebäudebetrieb festgelegt.

Die Richtlinie bietet durch die Angaben von RGB-Werten zu den unterschiedlichen Schraffierungen die Möglichkeit einer systemunabhängigen Reproduzierbarkeit. Darüber hinaus gibt die VDI 3819 Blatt 4 anhand eines Musterhaus-Beispiels einen Brandschutzvisualisierungsplan.

Herausgeber der Richtlinie VDI 3819 Blatt 4 „Brandschutz für Gebäude – Anforderungen an Brandschutzpläne“ ist die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG). Die Richtlinie erscheint im Dezember 2019 als Entwurf und kann zum Preis von EUR 101,80 beim Beuth Verlag (+49 30 2601-2260) bestellt werden. VDI-Mitglieder erhalten 10 Prozent Preisvorteil auf alle VDI-Richtlinien. Onlinebestellungen sind unter www.beuth.de oder www.vdi.de/3819 möglich. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Richtlinie durch Stellungnahmen bestehen durch Nutzung des elektronischen Einspruchsportals oder durch schriftliche Mitteilung an die herausgebende Gesellschaft (gbg@vdi.de). Die Einspruchsfrist endet am 31.05.2020. VDI-Richtlinien können in vielen öffentlichen Auslegestellen kostenfrei eingesehen werden.

Quelle: Pressemitteilung des VDI

Fachlicher Ansprechpartner im VDI:

Rouven Selge M. Eng.https://www.vdi.de/tg-fachgesellschaften/vdi-gesellschaft-bauen-und-gebaeudetechnik
VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG)
Telefon: +49 211 6214-119
E-Mail: selge@vdi.de

Bauministerkonferenz beschließt mehr Klimaschutz

Nachhaltig und kostensparend; so soll es sein, das Gebäude der Zukunft. Doch der Weg dahin ist steinig und umstritten. Hohe Hindernisse und weite Umwege machen den Fortschritt darauf zur Schnecke. Nun wollen die Bauministerinnen und Bauminister der Länder (BMK) einen Durchbruch schaffen und Ergebnisse des Wohngipfels von 2018 umsetzen. Bei ihrer Herbstkonferenz Ende September 2019 haben sie nach eigener Einschätzung richtungweisende Beschlüsse gefasst, die Bauen kostengünstiger und klimafreundlicher machen sollen.

Bundesweit soll das Bauen mit Holz in höheren Gebäuden einfacher und die Musterbauordnung (MBO) entsprechend angepasst werden. Wird dieser Beschluss Realität, darf künftig nach MBO Holz als Baustoff für hochfeuerhemmende oder feuerbeständige Bauteile eingesetzt werden. Unklar bleibt weiterhin, welche Länder diese Vorgabe wann und wie in ihren Landesbauordnungen (LBO) umsetzen werden.

Anpassungen in der MBO

Viereinhalb Jahre nach der erfolgten Liberalisierung des Holzbaus in der LBO Baden-Württemberg und fast ein halbes Jahr nachdem mit Bremen das sechste Bundesland aus der breiten Phalanx der „Holzbaubehinderer“ ausgebrochen ist, besinnt sich die BMK auf die Herausforderung, kostengünstiges Bauen sowie die erforderlichen Sicherheit der Nutzer unter einen Hut zu bringen. Dabei soll nun zusätzlich die Umwelt und das Klima so weit wie möglich geschont werden.

So gerät das „Bauen mit Holz“ als Königsweg in den Fokus aller Bundesländer. Es reift nun bundesweit die Erkenntnis, dass Holz bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung ein besonders umweltschonender und klimaverträglicher Baustoff ist, mit dem vielfältige Bauaufgaben gut und kostengünstig gelöst werden können.

Natürlich müssen den ambitionierten Beschlüssen der zwar hochrangig besetzten, aber trotzdem nahezu machtlosen Konferenz Taten in den Ländern folgen. Dort sind die beschlossenen Anpassungen der MBO tatsächlich in der jeweiligen LBO umzusetzen. Allzu oft erweisen sich jedoch die Vorgaben der MBO als „Muster ohne Wert“ und einheitliche Regelungen scheitern an landesspezifischen Vorlieben und Widerständen.

Vereinheitlichung der LBO

Der Vorstoß der BMK für kostenoptimiertes umweltschonendes Bauen ohne Kompromisse bei Sicherheit und Brandschutz darf nicht ins Leere laufen. Der Anpassung aller LBO in punkto Nachhaltigkeit und Energieeinsparung muss die seit langem von vielen Akteuren im Baugeschehen – u.a. von der Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige im vorbeugenden Brandschutz (BFSB) – geforderte grundsätzliche Vereinheitlichung der LBO folgen. Ein einfaches, handhabbares und verständliches Bauordnungsrecht war ein weiteres Ziel des o.g. Wohngipfels. Es ist an der Zeit für ein solches zu sorgen; damit der Fortschritt beim Bauen keine Schnecke bleibt.

Abbildung: Bundesweit soll das Bauen mit Holz in höheren Gebäuden vereinfacht und die MBO entsprechend angepasst werden:

Holzbau in der Streustraße in Berlin (Foto: Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz)

Hochhausleitbild für Berlin

Qualität – Kompensation – Partizipation

Fragestellungen des DIvB und der BFSB zum Rückfragenkolloquium

Baurechtliche Themen bzw. Themen hinsichtlich der Gebäudesicherheit und des Brandschutzes werden im Entwurf „Hochhausleitbild für Berlin“ nur am Rande behandelt. Dem Grundgedanken des Leitbildes, Hochhäuser mit „hoher städtebaulicher Qualität und innovativen Nutzungskonzepten“, mit „Mehrwerten für das Umfeld und die Allgemeinheit“ zu schaffen und einen „partizipativen, qualitätssichernden Planungsprozess“ anzustreben, stehen derzeit erhebliche baurechtliche Hindernisse im Weg (z.B. aktuelle Hochhausrichtlinie). Da notwenige Diskussionsprozesse, die zu einer durchdachten und gesellschaftlich vertretbaren Veränderung des Baurechts führen sollen, erfahrungsgemäß lange Zeit in Anspruch nehmen, sollte auch diese im Leitbild aufgeführt und angestoßen werden.

Leitbild 5.3.1 zu „Nachhaltigkeit“:

Nachhaltig Bauen bedeutet Berücksichtigung der grauen Energie. Für die „Verwendung ökologischer Baustoffe“ (Holz) sind neue gesetzliche Initiativen erforderlich. (Hochhausrichtlinie, Bauteile aus Holz über die Hochhausgrenze hinweg, Holzfassaden).

Frage: Ist an eine entsprechende Anpassung der baurechtlichen Grundlagen (Hochhausrichtlinie) gedacht?

Leitbild 5.3.2 zu „Multifunktionalität“:

Rettungswege berücksichtigen, insbesondere für kulturelle Einrichtungen, soziale Infrastruktur bei Wohnhochhäusern und öffentlich zugängliche Nutzungsangebote auf dem Dach.

Frage: Sind die zusätzlich erforderlichen Flächen für ggf. weitere Rettungswege in der Kosten-/Nutzenanalyse zur „Multifunktionalität“ berücksichtigt?

Leitbild 1.4. zu „Hohen Herstellungs- und Betriebskosten“:

Die besonderen technischen Anforderungen an Brandschutz usw. führen zu höheren Herstellungskosten. Mit zunehmender Gebäudehöhe steigen im Hochhausbau zudem die Brandschutzanforderungen.

Frage: Spielen Überlegungen zu einer Optimierung des Einsatzes kostenintensiver anlagentechnischer Vorschriften zum Brandschutz bei der Gestaltung der baurechtlichen Rahmenbedingungen ein Rolle?

(Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin)

Gemeinsame Stellungnahme der BFSB, des DIvB und des VdBP

Anhörung zum Entwurf der Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5 – MHolzBauRL

Gemeinsame Stellungnahme der BFSB, des DIvB und des VdBP

an die Geschäftsstelle der Fachkommission Bauaufsicht der Bauministerkonferenz
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Holzbau leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei der Herstellung und der Verwendung dieses Baustoffs entsteht kein klimaschädliches CO2 und im Vergleicht zu massiven Baustoffen wird kaum Energie benötigt. Das pfeifen nach über 30 Jahren Klimadebatte die Spatzen von den Dächern.

Dass Holz trotzdem noch meilenweit davon entfernt ist, Standard-Baustoff für Neubauten zu sein, liegt zum großen Teil an den baurechtlichen Restriktionen, die sich hauptsächlich auf Brandschutzbedenken stützen.

Holz ist brennbar und so unterliegt der Holzbau dem Generalverdacht, dass alles was brennbar ist, irgendwann auch brennen wird; ein Killerargument für den Brandschutz. Es gab und gibt immer wieder Bemühungen – auch unter dem Druck der Klimadebatte – diesen so „gefährlichen“ Baustoff ordentlich in die Landschaft des Baurechts einzupflegen, um ihn, bei Vermeidung aller tatsächlichen und gefühlten Gefährdungen, auch für höhere, insbesondere innerstädtische Gebäude, verwenden zu dürfen.

Das DIvB sowie die in der BFSB und der VdBP organisierten Fachplaner und Sachverständigen für den vorbeugenden Brandschutz sehen die jetzt vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), Organ der ARGEBAU (Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland), vorgelegte Entwurfsfassung einer „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5 – M-HolzBauRL“ (Stand: 23.05.19) äußerst skeptisch.

Die Argumente, die gegen die Einführung einer neuen Holzbaurichtlinie aus unserer Sicht sprechen, finden Sie in der Anlage.

Wir wären Ihnen dankbar, wenn der aktuelle Stand (23.05.2019) der M-HolzBauRL komplett zurückgezogen wird.

Dipl.-Ing. Reinhard Eberl-Pacan
Vorsitzender des Vorstands
Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V. (BFSB)

Dr. Roman Rupp
Präsident
Deutsches Institut für vorbeugenden Brandschutz e.V. (DIvB)

Dipl.-Ing (FH) Anton Pavic
Prüfsachverständiger für Brandschutz
Vorsitzender der Vereinigung der Brandschutzplaner e.V. (VdBP)

Stellungnahme herunterladen:

BFSB_Stellungnahme_Holzbaurichtlinie19_07_15

EuGH kippt HOAI

Kommt ein ruinöser Preiswettbewerb für Architekten und Ingenieure?

EuGH kippt HOAI

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 4. Juli 2019 die deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gekippt. Damit taugt sie nicht mehr als untere oder obere Grenze für Honorare von rund 130.000 Architekten sowie zehntausenden Ingenieuren, die Gebäude, Verkehrs- oder Gartenanlagen planen. Jene, die sich bisher auf dem vermeintlichen Ruhekissen „HOAI“ ausgeruht haben, müssen sich umstellen und lernen, unternehmerisch zu denken. Auch im Interesse des Wirtschaftsstandorts Deutschland muss jedoch ein ruinöser Preiswettbewerb aufgehalten und durch einen Qualitätswettbewerb ersetzt werden.

Fachplaner und Sachverständige im vorbeugenden Brandschutz sind davon weniger betroffen. Leistungen zur Brandschutzplanung oder zur brandschutztechnischen Bauüberwachung fielen auch bisher nicht unter das Preisrecht der HOAI. Unsere Mitglieder sind es gewohnt, ihre Honorare – in Anlehnung an das Berechnungsverfahren nach AHO – frei zu vereinbaren, ohne sich auf ein gesetzliches „Mindesthonorar“ verlassen zu können.

„Wer beim Planen spart, zahlt beim Bauen drauf“

Private Bauherren dürfen jetzt auch bei anderen Planungs- und Bauleitungsleistungen einen Preiswettbewerb anstreben, die öffentliche Hand muss es nach gängiger Praxis in vielen Fällen sogar tun. Hier gilt es gegenzusteuern. Ein ruinöser Preiswettbewerb wird die Marke „Deutsche Ingenieurkunst“ weiter ausdünnen und zu einem Verfall der Qualitätsstandards der Architekten- und Ingenieurleistungen führen.

Mangelhafte Vergütung von Architekten und Ingenieuren generiert Mehrkosten und Projektverzögerungen. Die Beispiele dafür sind Legion. „Es ist allgemein bekannt, dass für einen zu niedrigen Preis keine hinreichende Qualität geliefert werden kann – das gilt auch für Ingenieurleistungen“, sagt der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Kammeyer.

Private Unternehmer werden sich das auch in Zukunft nicht leisten wollen. Für Mehrkosten und Missmanagement müssen sie am Ende selbst aufkommen. Nicht so die öffentliche Hand; gerne schmücken sich Politiker und ihre Helfershelfer in den Verwaltungen mit großen Prestigeprojekten zum kleinen Preis. Gespart wird zuerst an den Vergütungen der Architekten und Ingenieure. Hier kommt der preisgünstigste zum Zug und nicht derjenige mit der besten Qualität und Expertise. Für die folgenden katastrophalen Bauabläufe und Kostensteigerungen müssen sie nicht geradestehen.

Oberstes Gebot ist der Kundennutzen

Auftraggeber müssen bereit sein, Qualität von Architekten- und Ingenieurleistungen zu erkennen und zu vergüten. Architekten und Ingenieure müssen auf der anderen Seite konsequenter an der Qualität ihrer Planungs- und Bauüberwachungsleistungen arbeiten. Ihr Engagement und ihr Einsatz müssen den Kunden an erster Stelle dauerhaft einen Nutzen bringen.

Zur Qualitätssicherung gehört die laufende Fortbildung, der Austausch von Informationen, das Streben nach Innovation und Verbesserung sowie eine intensive Fachdiskussion. Eine erkennbare und gut kommunizierte Expertise in bestimmten Bereichen kann dabei helfen, die Marktführerschaft bei speziellen Planungsleistungen zu erhalten und sich so vom Markt positiv abzuheben.

Brauchen wir eine neue Holzbaurichtlinie?

Initiative „Nachhaltiges Bauen mit Brandschutz“

Brauchen wir eine neue Holzbaurichtlinie?

Holzbau leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei der Herstellung und der Verwendung dieses Baustoffs entsteht kein klimaschädliches CO2 und im Vergleicht zu massiven Baustoffen wird kaum Energie benötigt. Das pfeifen nach über 30 Jahren Klimadebatte die Spatzen von den Dächern. Holz ist jedoch meilenweit davon entfernt, Standard-Baustoff für Neubauten zu sein. Das liegt zum großen Teil an den baurechtlichen Restriktionen, die sich hauptsächlich auf Brandschutzbedenken stützen.

Dass wir trotzdem keine neue „Richtlinie“ für den Holzbau benötigen, erläutern wir in unserer Initiative „Nachhaltiges Bauen mit Brandschutz“.

Holz ist brennbar und so unterliegt der Holzbau dem Generalverdacht, dass alles was brennbar ist, irgendwann auch brennen wird; ein Killerargument für den Brandschutz. Es gab und gibt immer wieder Bemühungen – auch unter dem Druck der Klimadebatte – diesen so „gefährlichen“ Baustoff ordentlich in die Landschaft des Baurechts einzupflegen, um ihn, bei Vermeidung aller tatsächlichen und gefühlten Gefährdungen, auch für höhere, insbesondere innerstädtische Gebäude, verwenden zu dürfen.

Einen frühen Anlauf in diese Richtung bildete 2004 die „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hoch feuerhemmende Bauteile in Holzbauweise“ (M-HFHHolzR) [1], besser bekannt unter dem verkürzten Namen „Holzbaurichtlinie“. Dieses Namensungetüm sollte zumindest für einen etwas höheren Bautyp mit minimierten Nutzungseinheiten einen brandsicheren Holzbau ermöglichen.

In der Praxis hat sich diese Richtlinie nicht bewährt. Die verwendeten Holzbauteile wie Wände oder Decken müssen z.B. aufwendig mit Gipskarton „gekapselt“ werden und es dürfen nur nichtbrennbare Dämmungen eingesetzt werden. Kaum ein Gebäude wurde lupenrein nach dieser Richtschnur errichtet und selbst ihre teilweise Anwendung (Reduktion der Kapselklasse) führte zu aufwendigen Detailausbildungen und damit zu erheblichen Mehrkosten.

Fünf Bundesländern, allen voran Baden-Württemberg, gingen seit 2015 einen anderen Weg. Sie erlauben Holzbau, mit deutlich reduzierten Einschränkungen, bis an die Hochhausgrenze. Das dieser Weg viel eher zum Ziel führt, zeigt der Umstand, dass bereits Hochhäuser nach diesem Muster gebaut und weiter geplant werden.

In diesem laufenden Prozess stellt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), Organ der ARGEBAU (Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland), den Entwurf einer „neuen“ Holzbaurichtline unter dem Namen „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5“ (M-HolzBauRL) [2] zur Diskussion.

Das wäre durchaus löblich, würde dieser Entwurf sich deutlich von den Fehlentwicklungen der „alten“ Holzbaurichtlinie verabschieden. Viele Regelungen in der M-HFHHolzR, die u.a. die erforderliche Rauchdichtigkeit von Fugen und die Dicke der erforderlichen Gipskartonbekleidung betreffen, beruhen auf teilweise fraglichen Forschungsergebnissen.

Neuere Forschungen sprechen hier eine deutlich andere Sprache. Ihre ersten Ergebnisse, die auch von Forschungsergebnissen aus anderen europäischen Ländern, wie Österreich oder die Schweiz, gestützt werden, untermauern eher den Weg der fünf Länder-Dissidenten, die komplett auf eine Kapselung verzichten wollen.

Reinhard Eberl-Pacan
Vorsitzender des Vorstands
Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

Literatur:
[1] „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise – M-HFHHolzR“ (Fassung Juli 2004)
[2] „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5 – M-HolzBauRL“ (Stand: 23.05.19) Entwurf

 

Kompetent – Lösungsorientiert – BRANDSCHUTZ mit Sachverstand

Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

In der Bundesvereinigung sind engagierte, ausgebildete und geprüfte Fachplaner, Sachverständige, sowie Absolventen eines Masterstudienganges für den baulichen Brandschutz zusammengeschlossen. Darüber hinaus bietet sie noch Anwartmitgliedschaften für Studenten. So sind auch fördernde und unterstützende Mitglieder dabei und jederzeit willkommen. Bauherren und Behörden bietet die Vereinigung Informationen über ortsnahe Sachverständige und spezialisierte Fachplaner. Schauen Sie sich auf unserer Website um und informieren Sie sich über unsere angebotenen Fachveranstaltungen und Fachthemen.




Neue Informationen auf unserer Webseite finden Sie hier !